Tuesday, August 18, 2015

Auf der Flucht - Fiktion und Wirklichkeit

Eines Tages hörst du im Radio, dass in Wien Schüsse gefallen sind. Regierungsgegner kämpfen vor dem Schloss Schönbrunn gegen das Militär ...

Stell dir vor, du lebst im Innviertel, bist etwas Politik-uninteressiert und verfolgst nicht das tägliche innenpolitische Geschehen. Eines Tages hörst du im Radio, dass in Wien Schüsse gefallen sind. Regierungsgegner kämpfen vor dem Schloss Schönbrunn gegen das Militär. Gebäude werden bombardiert und in die Luft gesprengt, Menschen werden getötet.
Es dauert nicht lange, bis auch in deiner Gemeinde die ersten Menschen gegeneinander kämpfen. Du wirst gefragt, zu welcher Seite eigentlich du gehörst. Dein Wohnhaus wird bombardiert, weil irgendjemand dort wohnt, der sich bereits für eine der beiden Seiten entschieden hat und die anderen ihm das übelgenommen haben. Bevor du überhaupt in den Trümmern nach Überlebenden deiner Familie oder ein paar Habseligkeiten suchen kannst, wird auch auf dich die Jagd eröffnet. Von beiden Seiten, weil du ja eigentlich gar nicht genau weißt, worum es überhaupt geht. Du bist auf der Flucht.

Du fliehst, ...

Du fliehst, weil Menschen dir nach deinem Leben trachten. Und du weißt nicht, wohin. Du verkaufst deine Uhr, ein Geschenk deiner Frau zur Hochzeit, um dein Leben einem Menschen anzuvertrauen, der dich in ein anderes Land schmuggeln kann, wo kein Krieg herrscht. Dein Handy behältst du, somit kannst du vielleicht von irgendwo ja doch noch Kontakt zur Heimat herstellen. Du schlägst dich durch in ein anderes Land, wo du jetzt eigentlich auch nicht willkommen bist.

... sie beschimpfen dich

Sie beschimpfen dich als Schmarotzer, der seine Heimat in Stich gelassen hat. Trotzdem würdest du dich dem Land gegenüber, in das du dich gerettet hast, gerne dankbar zeigen und arbeiten, aber das darfst du nicht, du bist nämlich "Asylant". Menschen finden, dass sogar die Zelte, in denen du jetzt schlafen kannst, viel zu großer Luxus für dich sind. Das hast du als Vaterlandsverräter nämlich nicht verdient!

Fabian Grabner. 10.06.2015. DerStandart

No comments:

Post a Comment